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Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 05 November 2013 | Autor: Administrator
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Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende

Zur Zeit ist ein Thema mal wieder in aller Munde: Die Organspende. Krankenkassen schicken uns Aufklärungsmaterial und Ausweise zu, die Schulen werben darum und Prominente aller Couleur machen in mehr oder weniger witzigen Werbespots auf dieses Thema aufmerksam.

Was ist los und was ist dran an diesem Hype?

Zunächst einmal hängt er mit dem neuen Organspendegesetz zusammen, das im vergangenen Herbst in Kraft getreten ist. Von der Politik unseres Landes gewollt, sollen sich die Menschen mit der Organspende auseinandersetzen und dazu Stellung beziehen. Eine Pflicht zur Entscheidung oder zum Ausfüllen des Ausweises besteht nicht.

Aber warum ist das Thema gerade jetzt so brisant?

Weil mit dieser Werbeaktion unsere Spendenbereitschaft wieder gesteigert werden soll. Die hatte durch die Klinikskandale der letzten Zeit erheblich gelitten. Man lässt sich das auch einiges kosten: Viele schöne bunte Broschüren und witzige Fernsehspots sollen Lust darauf machen, seine Organe einem anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Ja, man bekommt schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man sie nach seinem Tode für sich behalten will!

Nach seinem Tode… Damit geht es auch schon los. Ihr seid nämlich noch gar nicht tot, wenn die Organe entnommen werden. Wusstet Ihr das? Ihr seid zu Tode definiert und das ist ein Riesenunterschied.

Und damit sind wir beim Hauptthema dieses offenen Briefes. Bis heute fehlt eine Aufklärungskampagne, die diesen Namen wirklich verdient. Sie müsste frei von jeglicher Beeinflussung über Pro und Kontra, Chancen wie Risiken aufklären und genau das passiert nicht. Sie informiert extrem einseitig. Es wird nur über die Menschen auf der Warteliste gesprochen. Wer aber denkt an die Spender? Sie müssen immerhin erst einmal sterben, um ihre Organe überhaupt spenden zu können! Um sie geht es mir hier vor allen Dingen. Und zum Spender können alle werden, die einen Organspendeausweis ausgefüllt haben. Bevor Ihr das also tut, ist es wichtig, dass Ihr die GANZE Wahrheit zum Thema kennt und nicht nur einen Ausschnitt. Nur so könnt Ihr für Euch und Eure Lieben eine sichere Entscheidung treffen. Dieser offene Brief, den Ihr gerne weiterverbreiten könnt, gibt Euch alle fehlenden Informationen und nicht nur das- ich verspreche Euch Überraschungen!

Damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt, kurz etwas zu mir: Ich habe eine enge Verbindung zu den Themen Hirntod und Organspende, weil ich sehr lange in der Intensivmedizin gearbeitet habe. In dieser Welt zwischen Leben und Tod, Mensch und Maschine habe ich vieles gesehen, auch sogenannte „Hirntote“. Später war ich in der Transplantationschirurgie tätig und weiß daher auch, was manche Menschen mit ihrem neuen Organ erleben und welche Phänomene es bei der Organentnahme geben kann. Der Hirntod zieht sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Und der ist leider auch das zentrale Thema bei der Transplantation von Organen, denn ohne ihn würde es die Transplantationsmedizin überhaupt nicht geben.

Ich werde Euch jetzt etwas über den Hirntod und seinen Hintergrund, aber auch über meine Erlebnisse mit hirntoten Patienten berichten. Ich bin sicher, dass Ihr Euch manches SO nicht vorgestellt hättet. Aber der Reihe nach.

Wir beschäftigen uns im Alltag mit vielem, aber Krankheit, Tod und Sterben verdrängen wir. Dennoch bleiben diese Themen wichtig für uns, denn erwischen werden sie uns alle. Wir meinen ja, alles über den Tod zu wissen. Ist doch völlig klar, was Tod ist... Oder??? Ja, was ist das eigentlich?

Der Tod eines Menschen ist ein sehr schwer zu fassender und nicht ganz eingrenzbarer Vorgang. Früher war er ein komplexes Phänomen: Ein medizinisches, ein theologisches, ein philosophisches, ein juristisches… Jetzt ist er im Wesentlichen nur noch ein medizinisches. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Definition des Todes mehr. Aber es gibt eine andere: In der Medizin wird er als „unumkehrbarer Funktionsverlust des Atmungs-, Kreislauf- und Zentralnervensystems“ beschrieben. Man unterscheidet zwischen dem klinischen und dem biologischen Tod. Der klinische ist vom vollständigen Kreislaufstillstand und den unsicheren Todeszeichen gekennzeichnet. Erst die sicheren Todeszeichen (Totenflecke, Totenstarre, Selbstauflösung) zeigen den eingetretenen biologischen Tod. Unmittelbar danach beginnen bereits die Auflösungserscheinungen des Körpers. Zwischen dem klinischen und dem biologischen Tod liegt ein Zeitraum, in dem eine Wiederbelebung durchaus noch gelingen kann. Der eigentliche Tod kann nämlich sowohl ein Augenblicksereignis sein, aber auch die Zeitspanne zwischen der Feststellung der unsicheren Todeszeichen bis zum Sichtbarwerden der sicheren. Biochemisch gesehen ist der Tod kein punktuelles Ereignis, sondern eher ein Prozess. Meine Berufserfahrung hat mir gezeigt, dass zwischen den unsicheren und sicheren Todeszeichen manchmal viele Stunden vergehen können. In diesem Zeitraum lassen sich u.U. sogar noch bestimmte Körperreaktionen auslösen. Hierher gehören übrigens die berüchtigten Scheintodesfälle, weswegen viele Kulturen ihre Toten 3 Tage lang bewachen. Was das für ein Zustand ist, in dem die Patienten zwischen Leben und Tod schweben, weiß man nicht… Aber dennoch werden in ihm heutzutage Menschen für tot erklärt.

Damit sind wir beim zentralen Kern der verborgenen Wahrheiten: Das grundlegende Problem der Transplantationsmedizin ist nämlich, dass man einem Toten gar keine transplantierbaren Organe entnehmen kann! Die können genauso wenig wie er selbst wieder zum Leben erweckt werden. Man kann funktionsfähige Organe also nur einem lebenden Menschen entnehmen. Ja, Ihr lest richtig. Diese Menschen leben, wenn die Organe explantiert werden. Sie werden erst dadurch getötet.

„Das glaub ich nicht. Das kann nicht sein!!!“ höre ich einige von Euch sagen. Auf dem Organspendeausweis steht doch was ganz anderes! Da steht: „Für den Fall, dass nach meinem Tod eine Spende von Organen/ Geweben zur Transplantation in Frage kommt….“ ???

Hier kommt nun der Hirntod ins Spiel. Mit ihm gelingt das Unmögliche. Den Hirntod bzw. seine Definition gibt es erst seit 1968. Er hat eine ganz eigene Geschichte und die beginnt mit einem Gutachten, das damals in der Harvard Medical School von Boston/USA erstellt wurde. Zu dieser Zeit gab es zwei akute Probleme, die gelöst werden mussten. Zum einen war die Medizin so weit, dass sie Organe transplantieren konnte. Professor Christiaan Barnard hatte seine erste Herzverpflanzung durchgeführt, die ihn weltberühmt werden ließ. Was damals nur wenige wussten: Er hatte sich mit dieser Operation über alle damals geltenden Standards hinweggesetzt, ihm drohte eine Mordanklage. Übrigens stand zur gleichen Zeit in Japan ein Herzchirurg aus einem ähnlichen Grunde vor Gericht… Die Kommission in Boston definierte also den Hirntod als neuen Tod und empfahl, künftig auch ihn als den Tod eines Menschen anzusehen. Damit gab es gleich einige Organe mehr, die entnommen werden durften… Bis heute hält sich die Vermutung, dass die neue Todesdefinition genau deswegen festgelegt wurde. Zum anderen: 1968 gab es noch ein weiteres Problem, das ganz gut dazu passte: Die noch relativ junge, aber sich rasant entwickelnde Intensivtherapie hinterließ immer mehr Patienten in einem Zwischenzustand zwischen Leben und Tod. Die betroffenen Menschen vegetierten z.T. jahrelang ohne Bewusstsein dahin und ihre Versorgung kostete viel Geld. Ohne die Intensivtherapie wären sie allerdings niemals in diesen Zustand gekommen, sie wären bereits viel früher gestorben. Das Gutachten klärte auch den Status dieser Patienten. Damit waren alle Voraussetzungen geschaffen. Der Tod war neu definiert und vorverlegt worden - die Transplantationsmedizin war geboren! Die Organentnahme aus Sterbenden war allerdings damals nur für eine Übergangszeit angedacht. Solange nämlich, bis die Medizintechnologie würde funktionierenden Organersatz herstellen können. Übrigens: 1968 schloss die Definition des Hirntodes den Verlust aller Reflexe noch mit ein. Das heißt, die Hirntoten der damaligen Zeit waren nicht in der Lage, sich zu bewegen oder mit Irgendwelchen Reflexen zu reagieren. Aber das veränderte sich langsam im Laufe der Jahre. Heutzutage gilt ein Patient auch dann als hirntot, wenn er seine Arme und Beine bewegt und Laute von sich gibt. Ich frage Euch: Sieht so ein Toter aus?


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